Ulrich zeigt uns sein Lieblingscafé

Als ich zur Street Show Bangkok performte, hatte ich Gelegenheit mit meinem guten Freund Ulrich Gotlieb, um die Häuser zu ziehen. Er hat hat mich in seinem bangkoker Viertel herumgeführt und mir Einblicke in sein Schaffen gewährt. Wie viele Pantomimen war auch Ulrich von der Universalität der sprachlosen Kunst fasziniert.

Sein Weg als Mime begann mit dem Straßentheater. Wie auch bei mir, waren seine ersten Schritte autodidaktisch. Man sieht etwas und bringt es sich selber bei.

Das besondere an seiner Arbeit ist die Verwurzelung zum Taiji Quan, was dem Schauspieler den starken Fokus auf kleine Details erlaubt. In der Produktion „Zazou“ im Bayrischen Staatstheater bekam er die Rolle des Marcel Marceau. Mittlerweile lebt Ulrich in Bangkok und gibt Unterricht für Pantomime und Körpertheater. Taiji spielt in seinem Leben immer noch eine große Rolle. Auch in dieser Kunst unterrichtet der Mime in Asien und Europa.

Du gibst Unterricht für Bewegungtraining, Schauspiel und Körpertheater an der Srinakarinwirot – und Chulalongkorn Universität  in Bangkok. Wie ist das Arbeiten mit den Thailändischen Studenten?

Ulrich Gottlieb: Die Studenten lieben es zu improvisieren und haben von Natur aus eine sehr spielerische Seite. Sobald eine Impro beginnt, sind sie drinnen. Da fällt auch die Scheu und Zurückhaltung, die man draußen von ihnen kennt. Wie eine Metamorphose.

Die interessanteste Erfahrung ist für mich, dass bei bestimmten Improvisationsübungen, die ich auch in Europa bei Seminaren anbiete, oft gleiche Ereignisse erscheinen. In der Bewegung oder „sprachlosen“ Ausdrucksweise wie die Pantomime fallen kulturelle Barrieren.

Ein menschliches Gefühl ist überall gleich und dies drückt sich auch in anderen Kulturen als solches aus. Als wären Ideen und Geschichten, die ich bei Impros in Workshops in Europa gesehen habe, still und leise um die ganze Welt gereist und in Asien tauchen sie wieder auf. Ein spannende Beobachtung.

Was sind Deine drei Lieblingsübungen, die jeder Student in Deinem Unterricht beherrschen muss?

Ulrich Gottlieb: Einmal wäre da das goldene Buffet oder der goldene Sessel wobei alles in Zeitlupe gespielt werden muß.

Die zweite Übung sind die Unterwasserpflanzen. Eine Übung, bei der es um Entspannung und Entwicklung eines feinen Körpergefühls geht.

Die dritte Übung nenne ich Interconnection. Das ist eine sehr dynamische Übung, bei der ich mit einfachen wenigen Vorgaben die Studenten improvisieren lasse. Dabei geht es um Kontakt und darum, eigene Ideen finden und auf Ideen anderer unmittelbar einsteigen zu können.

Welche täglichen Routinen oder Übungen gibst Du jungen Mimen und Schauspielern mit auf den Weg?

Ulrich Gottlieb: Ein tägliches Üben, welches aber nicht unbedingt stundenlang sein muss. Speziell bei Körperaufbauübungen wie Taiji oder Qigong genügen bereits zehn Minuten, allerdings jeden Tag. Da baut sich langfristig eine Körperbewusstseins-Struktur auf.

Dann natürlich verschiedene pantomimische Techniken die gerade zu Beginn etwas trocken sein können. Am besten Musik mit dazu nehmen, damit eine Zeit spielen, es immer wieder versuchen, auch den Spiegel dazu mal weglassen.

Ich rege gerne dazu an, generell mehr zu beobachten, vielleicht Notizen machen von kleinen Ereignissen, was um einen herum passiert. Das können ganz einfache Dinge sein, die später Stoff für spannende Geschichten geben können. Die Notizen können auch im Unterricht besprochen werden und eine Ausgangsbasis für Improvisationen sein.

In Europa und Asien bist Du auch als Taiji Lehrer bekannt und hast das Buch „Wolkenhände“ geschrieben. Nebenbei hast du eine geniale Visitenkarte für Schriftsteller entwickelt. Können wir auch auf ein Buch über Mime hoffen und was wird darin zu finden sein?

Ulrich Gottlieb: Derzeit arbeite ich an einem Buch über Körpertheater, was die Pantomime mit einschliessen wird. Inhaltlich wird es ein Essay mit Fragmenten, Übungen, Meditationen, Prinzipien und Ideen zum Körpertheater. Das geht von meiner Erfahrung im Strassentheater bis zu Anwendungen von Übungen in Choreografin. Mehr wird noch nicht verraten.

Wie sehen Deine zukünftigen Projekte aus?

Ulrich Gottlieb: Mein Fokus geht neben dem Performen verstärkt auf das Unterrichten und Schreiben. Meine Arbeit sehe ich als einen fortlaufenden Prozess, einen Versuch, Übungen und Ideen in den Seminaren und Workshops ständig weiter zu entwickeln. Viele Jahre habe ich als Solopantomime gearbeitet, nun geht es mehr zur Entwicklung von Körpertheater-Choreografien für Companies.

Neben der Theaterarbeit wird mich das Taiji Quan und Qigong natürlich weiter auf meinem Weg begleiten, ein Weg mit viele weiteren spannenden Begegnungen wie bisher. Darauf freue ich mich.

In "China Town", dem Wohnviertel von Ulrich, wird recycelt.

Mr. Loop führt uns herum und stellt uns einen Mechaniker in Bangkok vor, der sich auf VW Käfer spezialisiert hat

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Ulrich findet man in den Sommermonaten in Europa auf diversen Workshops und Festivals. Schaut Euch auf der Website von Ulrich Gottlieb aka Mr. Loop um.

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