Ich weiß gar nicht, ob ich es Festival nennen soll. Für mich hat es sich so gut angefühlt, dass ich es einfach mal mache. An vier Abenden wurden Ende Juni 2011 im Herzen Bangkoks sechs große Shows gespielt, die aus Programmen der Top-Pantomimen aus dem asiatischen Raum bestand. Zum ersten Mal wurden auch Künstler aus Europa eingeladen: Die Mimen von Metroccolis. Ihr könnt Euch vorstellen, wie stolz ich darauf bin. Immerhin gibt es die Veranstaltung schon zum 12. Mal.

Überall tolle Aufsteller

Die Künstler

Die teilnehmenden Künstler zählen ausnahmslos zu den besten Mimen aus dem asiatischen Raum. Ach was sage ich, zu den besten Mimen weltweit. Selten haben mich Stücke wirklich so berührt wie hier. Nicht nur, dass es viele ausgefallene Ideen zu sehen gab, auch technisch spielten die Darsteller präzise.

Kojimaya Mansuke

Kojimaya ist ein alter Hase in der Mimeszene und spielte mit seinem Partner Honda Aiya unter anderem 3 Variationen ihres „Movie Director“. Mit schnellen Rollenwechseln und Slapstick-Humor gehörten sie zu den Favoriten des Publikums.

Besonders gefiel mir die Idee, wie der „Regisseur“ mehr Tiefe in eine Liebesszene bekommen wollte. Am Ende verlieren die imaginären Schauspieler Stück für Stück ihre Kleidung und vollführen den Beischlaf im Höhlenmenschen-Stil. Die Krönung der Filmkunst. :)

Honda Aiya

Inmitten der Shows verletzte sich Kojimaya leider. Deswegen konnten er und sein Partner Honda ihr geplantes Programm nicht an allen Tagen spielen. Die Show wurde umgebaut und Honda gab eine seiner Solonummern zum Besten. Diese ‚Notlösung‘ stellte sich als eines meiner Lieblingsstücke heraus. Was unter dem trivialen Namen „Baseball“ herkam, entpuppte sich als mehrschichtige Geschichte mit Nebenschauplätzen, auf die man am Anfang des Stückes nie gekommen wäre. Nach einem lustigen Baseballspiel fliegt der Ball über das Spielfeld hinaus und kreuzt die Geschichten mehrerer Charaktere. Der Ball trifft am Ende einem verzweifelten Mann, der sich gerade das Leben nehmen möchte, am Kopf. Verwundert nimmt er den Ball, wirft ihn kindlich zurück in die Ferne und kehrt geläutert von seinem Vorhaben ab. Unglaublich berührend!

Kojimaya Mansuke und Honda Aiya.

 

Sivouplait (Takeshi Shibazaki, Nozomi Horie)

Dieses Duo spielt auf der Bühne ein älteres Paar. In unserer zivilisierten Zeit gibt es für echte Männer nur wenige Aufgaben, bei denen sie all ihre überlegenen männlichen Fähigkeiten ausspielen können. Deswegen muss ein „Gurkenglas öffnen“ oder „eine Schüssel aus dem oberen Schrank holen“ genutzt werden, um den Cowboy in Takeshi zu wecken. Am Ende seiner Heldentat (das Gurkenglas ist geöffnet) steigt er auf sein imaginäres Pferd und nimmt seine Lady mit. Nozomi lässt ihrem Gemahl den Spaß und reitet etwas irritiert mit. Beide spielen mit so einem feinen japanischen Witz, dass mir vor Lachen eine Träne die Wange herunterkullerte.

Nozomi und ich haben scharfe Chillis genascht.

Metroccolis (Rocco Menzel, Stefan Wabner)

Yeah, das sind wir. Im Gepäck hatten wir unsere Man Machines Show. Unsere Maschinenmenschen eröffneten das Programm. Nach einem knackigen Robotertanz zeigte Rocco sein „Ein kurzer Moment Glück“. Ich hatte viel Freude daran, dieses Stück vom Bühnenrand dieses Stück zu beobachten, da es viele Emotionen weckt. Der Charakter entkommt aus einer drögen Alltagssituation. Doch dieser Moment hält nicht lange. Jeder kennt dieses Gefühl.

Danach spielte ich den „Maskenmacher“. Die Grundidee ist nach einem Stück von Marcel Marceau. Anschließend hatte Rocco zum Glück unseren „Elektrohandschuh“ dabei. Damit steuerte er mich über die komplette Bühne. Aber nur so lange, bis ich die Fäden in der Hand hielt.

Das Publikum hatte unterschiedliche Favoriten aus unserem Progamm. Einigen Gästen kamen die Tränen, als Roccos Glücksmoment sich dem Ende neigte. Andere lachten laut und applaudierten, als unsere Liebenden in Zeitlupe aneinander vorbei stolperten.

GuriGuri Girls (Hisayo Hatiri, Yumiko Ota)

Hisayo als GuriGuri Girl.

Hisayo hat mit ihrer Maske und dem Charakter des kleinen Mädchens entscheidend zum Bild von „Pantomime in Bangkok“ beigetragen. Ihre Figur ist das Markenzeichen der Veranstaltung und befindet sich auf den Merchandise-Artikeln. Zusammen mit Yumiko am Akkordeon führte sie durch das Programm. Echt süß, die beiden!

Imagawa Masakazu

Hier haben wir einen der besten Mime-Techniker und Nudelliebhaber in einem. Seit seinem Stück weiß ich, was nach einer Nudelsuppe in meinem Bauch vorgeht. Imagawa hat eine Menge Einfälle. Er hat Mitleid mit seinem Zahnteufel. Wenn ich die Videos von der Aufführung bekomme, müsst Ihr Euch das unbedingt ansehen!

Babymime

Die Lokalmatadore sind zweifelsohne Babymime. Drei Thaimimen, die nicht nur ihre Gesichter so herrlich schräg verziehen können, sondern auch die femininen Rollen mit Bravur meistern. Ihr Hauptthema galt der Mütze, wie sie Schaffner, Polizist und andere Autoritätspersonen tragen. Ein Rollenwechsel, der kein Auge trocken lässt. Meine Lieblingsszene ist der „Türsteher in der Disco“, der abwechselnd Einlass gewährt oder Backpfeifen verteilt. Der abgewiesene Partygast bedankt sich dafür höflich mit einem thailändischen Wei (Verbeugung mit gefalteten Händen vor dem Gesicht).

Drei Gesichter, ein Name: Babymime.

Yano Kazuki

Dass die Geschichte des Froschkönigs auch anders ausgehen kann, zeigt Yano Kazuki. Der in Thailand lebende Japaner ist in Bangkok ein bekannter Schauspieler. Seine Variante des Frosches ist auf alle Fälle originell. Statt mit der Froschzunge wird die Fliege mit dem Zusammenklatschen der Hände gefangen. Den ersten Lacher hatte er damit bei mir schon mal sicher.

Essen hält Leib und Seele zusammen und sorgt auch bei Pantomimen für gute Laune.

Bangkok ist immer wach

Schade, dass wir nur so kurz da waren. In den freien Minuten konnte ich meinen Gaumen mit vielen Leckereien verwöhnen. Ich liebe thailändisches Essen! Und Kokosnüsse.

Man hat das Gefühl, diese Stadt schläft nicht. Zu jeder Tageszeit findet man etwas Essbares. Immer lecker, immer frisch, immer gesund. Ich weiß nicht, wie oft das Wort Schlaraffenland gefallen ist. Irgendwann habe ich nicht mehr gezählt.

Eine Riesenstadt.

Abends mit dem Tuk Tuk durch die Stadt.

Niemand muss hungern im Schlaraffenland.

Alles wird dokumentiert. Auch die letzte Mahlzeit.

Dankeschön

Vielen Dank an das Team von Sixnature und speziell an Parn. Wir hatten eine großartige Zeit. Das Publikum war rührend!

Das Publikum kann nach der Veranstaltung alle Künstler treffen.

Ein Fan hat unsere Vorliebe für Kokosnüsse erkannt und ein Bild gemalt. So cool!!!

 

So geht‘s weiter…

Die Veranstaltung Pantomime in Bangkok hat gezeigt, wie gerne Menschen nonverbales Theater sehen. Deswegen: Klickt auf Pantomime Show und schreibt mir eine Mail. Wir freuen uns, bald bei Euch zu spielen.