Die Theatertage in Großenhain haben Tradition. Zum 18. Mal in Folge gibt es diese Veranstaltung. Dabei kommen junge Spielgruppen aus dem sächsischem Raum zusammen. Es wird gespielt, gelernt und viel gelacht. Die Großenhainer Theatertage sind so beliebt, dass vielen Gruppen abgesagt werden musste, weil die Kapazität für ca. 100 junge Schauspieler reicht. Deswegen wechseln sich die Theatergruppen ab. Jeder kommt mal dran. Eine gute Woche lang spielen und proben die Jugendlichen gemeinsam und tauschen ihre Erfahrungen aus.

Am ersten Samstag gibt es traditionell Workshops mit Dozenten von außerhalb. Diesmal kamen Uwe Naumann und Kerstin Labitzke, die beiden Seelen des Alberttreffs, auf mich zu. Die Kinder sollten einen Einblick in die Pantomime bekommen. Diese Angebot habe ich gerne angenommen.

Kleine Objekte übergeben.

Mach den Roboter. Mach die Handwelle.

 

 

Workshopinhalte: Status, Präsenz und Pantomimetechniken

Die Zeit war knapp aber ausreichend, um den Teilnehmern eine gute Vorstellung der stummen Kunst zu geben. Im Workshop habe ich mich auf 3 Kernpunkte konzentriert:

  • Status auf der Bühne. Jeder Schauspieler und jede Requisite auf der Bühne besitzt einen Status. Dabei unterscheidet man zwischen Hoch- und Tiefstatus. Spielt ein Darsteller z.B. einen König, so hat er ganz klar einen Hochstatus. Den muss er spielen. Noch wichtiger ist aber, dass alle anderen einen Tiefstatus spielen, damit der Unterschied deutlich wird. Man sagt auch: „Alle anderen spielen den König“ -> eben durch ihren Tiefstatus.
  • Präsenz. Wie wirke ich präsent auf der Bühne ohne rumzuhampeln. Wie erziele ich Aufmerksamkeit und werde ernst genommen? Die Körperhaltung macht den Großteil aus. Das ist auch im alltäglichen Leben wichtig.
  • Pantomimetechniken. Die imaginäre Wand, der unsichtbare Strick. Wer die Grundtechniken der Pantomime verstanden hat, kann tolle Effekte spielen. Eine sauber geübte Pantomime-Wand wirkt fast wie ein Zaubertrick. Das Prinzip ist simpel aber nicht einfach zu beherrschen.

Die Kiddis kamen ganz schön ins schwitzen, denn in den 3 Stunden wurde sich fast nur bewegt. Man lernt am schnellsten, wenn man selber übt. Und das haben wir ausgiebig.

Schön wegschieben, diesen schweren Würfel.

 

 

Was lernen die Kinder und Jugendlichen?

Neben den oben beschriebenen Inhalten geht es vor allem um Biss. Einen Sache länger zu üben, auch wenn es schwer fällt. Die Resultate am Ende des Workshops belohnen für die Mühe. Durch die Übungen zum Thema Status, lernen die Kinder soziale Situationen besser einzuschätzen. Das hilft ein emphatisches Verhalten zu entwickeln. Ich war überrascht, wie gut das funktioniert.

Wer selber eine Kunst, wie z.B. ein Instrument lernen möchte, liest am Besten den Artikel

Richtiges Üben Teil 1: So holt Ihr das Maximum aus Eurer Übungszeit heraus

"Zeil ziehen" sieht am Coolsten aus.

Was lerne ich dabei?

Jeder gute Lehrer wird bestätigen, dass er mit und von seinen Schülern lernt. Und so geht es auch mir. Die Konzentrationdauer von Menschen ist sehr unterschiedlich, so dass es hilft, an Knackpunkten die Übung zu ändern oder etwas neues auszuprobieren. Kinder lassen sich schneller ablenken. Das ist eine große Herausforderung, den Unterricht permanent spannend zu gestalten. Ich habe 3 Prinzipien angewendet:

  • Lehrinhalt in viele kleine Blöcke unterteilen. Statt eine halbe Stunde immer die selbe Übung durchzuführen habe ich in 10 Minuten Blöcken gearbeitet. Und bin zwischen den Themen hin und hergesprungen. So gibt es immer wieder etwas neues zu erleben. Gerade zum Ende hin, waren selbst 10 Minuten sehr lang.
  • Didaktisch aufbauen. Man kann jeder Übung zerteilen und auf einander aufbauen. So kommt es zu einer Steigerung, mit der jeder Schüler mitkommt. Der Fokus kann immer auf einen Teilbereich gelegt werden. Stück für Stück, bis die Übung komplett ist.
  • Eine „Eins zu Eins“ Situation schaffen. Jeder Gruppe hat aktiv fragende und passive Teilnehmer. Für mich ist es wichtig, wenigstens einmal im Unterricht mit jedem Schüler eine Situation zu erschaffen, in der er direktes Feedback erhällt. Damit zeige ich ihm, dass er wichtig ist und ernst genommen wird.

Für den nächsten Kurs mit Kindern und Jugentlichen werde ich die Übungen spielerischer gestalten.

Direktes Feedback geben.

Zeigen und selber üben lassen.

 

Bald bei Euch

Pantomime lehrt bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers, des Gegenübers und der Situation. Tretet mit mir in Kontakt und ich erkläre Euch, wie ein Workshop für Euch und Eure Teilnehmer aussehen kann. Habt ihr Tipps für das Arbeiten mit Kindern? Teilt Eure Erfahrungen in dern Kommentaren.

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